
Manche Wochenenden brauchen keine zusätzliche To-do-Liste. Sie brauchen einen schönen Blick, ein ausgedehntes Mittagessen und genügend Zeit, um unterwegs auch einmal länger zu bleiben als geplant. Genau so lässt sich ein Ausflug nach Tokaj angehen: nicht als Wettlauf zwischen Sehenswürdigkeiten, sondern als kleine Reise mit Raum für Entdeckungen.
Diese Ausgabe von EV.roadtrip führt von Budapest in die Weinregion Tokaj-Hegyalja. Das E-Auto bringt dich hin. Die Ladeplanung bekommt ihren Platz, aber nicht die Hauptrolle. Schließlich möchtest du später eher von einem besonderen Ort erzählen als von einer besonders gründlich ausgearbeiteten Ladetabelle.
Von Budapest nach Tokaj sind es je nach Startpunkt und Route ungefähr 230 Kilometer. Bei günstiger Verkehrslage dauert die Fahrt etwas mehr als zwei Stunden. Plane besser zweieinhalb bis drei Stunden reine Fahrzeit ein; längere Pausen kommen dazu. Ein großer Teil der Fahrt verläuft in der Regel über die Autobahn M3.
Tokaj bezeichnet nicht nur das Ausflugsziel selbst, sondern gibt auch der umliegenden Weinregion ihren Namen. Die historische Kulturlandschaft mit Weinbergen, Orten und Kellern gehört zum UNESCO-Welterbe. Für einen Besuch brauchst du allerdings weder ein Weinseminar noch ein festes Verkostungsprogramm.
Für einen Tagesausflug würden wir Tokaj und Tarcal miteinander verbinden. Mit einer Übernachtung bleibt zusätzlich Zeit für Hercegkút. Die Entfernungen zwischen den Orten und die Rückfahrt gehören dabei genauso in die Planung wie die Anreise ab Budapest.
Ob eine Ladepause nötig ist, lässt sich nicht allein aus der Entfernung ableiten. Mit ausreichend Startladung können manche E-Autos die Strecke ohne Zwischenladen schaffen. Bei anderen Fahrzeugen oder einem niedrigeren Ladestand sind ein oder mehrere Stopps sinnvoll. Auch Autobahntempo, kühleres Wetter und die Heizung beeinflussen den Energieverbrauch.
Die Routenplanung von EV.app berücksichtigt das Fahrzeug, den aktuellen Ladestand und den Ladebedarf. So entsteht ein Plan für dein Auto und deine Ausgangssituation, statt dass du jede Ladesäule selbst zu einer Route zusammensuchen musst.
Prüfe vor der Abfahrt, ob die Fahrzeugangaben und der eingegebene Ladestand stimmen. Schau dir die vorgeschlagene Fahrt an und denke bereits an die Wege nach der Ankunft. Eine Berechnung bleibt eine Schätzung; sie ersetzt nicht den Blick auf die tatsächlichen Bedingungen.
Es geht dabei nicht darum, die Strecke unbedingt ohne Pause zu bewältigen. Eine sinnvolle Ladepause ist genauso Teil eines guten Plans wie eine direkte Fahrt, wenn ausreichend Energie vorhanden ist.
Tokaj liegt am Zusammenfluss von Bodrog und Tisza. Beginne deshalb mit einem Spaziergang durch den Ort und zum Wasser, bevor du schon das nächste Ziel ansteuerst.
Lass diesen Teil bewusst offen. Suche dir einen Platz für einen Kaffee, schau dich um und entscheide erst dann, worauf du Lust hast. Vielleicht ist heute der längere Spaziergang richtig. Vielleicht möchtest du lieber in Ruhe essen und den nächsten Aussichtspunkt auslassen.
Ein Roadtrip muss nicht aus möglichst vielen Fahrten bestehen. Gerade nach der Anreise darf das Auto auch einfach eine Weile stehen bleiben. Der Ortswechsel hat seinen Zweck erfüllt, sobald sich dein eigener Rhythmus verändert.
In Tarcal führt ein Panoramaweg zur Statue Áldó Krisztus, dem „segnenden Christus“. Vom Hügel öffnet sich der Blick über die Umgebung; zum Landschaftsbild gehört auch der nahe See in einem ehemaligen Steinbruch. Damit bekommt die Region eine andere Perspektive als durch die Windschutzscheibe.
Wir würden für diesen Stopp mindestens eine Stunde zum Gehen und Schauen einplanen. Das ist kein festes Zeitmaß für den Weg, sondern bewusst eingeräumte Ausflugszeit. Die tatsächliche Dauer hängt davon ab, welche Strecke du wählst und wie gemütlich du unterwegs bist.
Bequeme Schuhe und eine zusätzliche Kleidungsschicht sind eine gute Idee. Lege den Spaziergang ins Tageslicht und passe ihn bei schlechtem Wetter an. Ein dicht gepackter Tagesplan sollte nicht darüber entscheiden, ob sich der Weg gerade gut anfühlt.
Der Gombos-hegyi pincesor liegt in Hercegkút, nicht im Zentrum von Tokaj. Plane dafür eine eigene Fahrt ein. Die dreieckigen Kellerfronten stehen in mehreren Reihen am begrünten Hang. Dahinter liegen weiterhin genutzte Weinkeller; Hercegkút selbst hat eine schwäbische Siedlungsgeschichte.
Für die Architektur lohnt sich ein Spaziergang. Für einen Blick hinter die Türen vereinbarst du am besten vorab einen Besuch. Frage dabei nach, ob auch etwas über die Geschichte des Kellers und die Arbeit im Weinberg erzählt wird.
Wer keinen Wein trinken möchte, sollte eine Besichtigung ohne Verkostung anfragen. Nicht jede Begegnung in einer Weinregion muss im Glas enden.
Statt möglichst viele Keller nacheinander abzuhaken, würden wir einen auswählen und Zeit mitbringen. Eine gute Unterhaltung kann den Ort näherbringen als die nächste schnell gemachte Aufnahme.
Wenn sich die Reben herbstlich färben und Nebel an den Hügeln hängt, zeigt sich die Landschaft von einer anderen Seite. Lass auch dafür Zeit, nicht nur für gebuchte Programmpunkte.
Zur Herbstsaison gehören in Tokaj-Hegyalja auch Erntefeste und Veranstaltungen rund um den Wein. Bei den Tokaj-hegyaljai Szüreti Napok, den Weinlesetagen in Tokaj, treffen beispielsweise Wein, Gastronomie, Musik und regionale Traditionen aufeinander. Unter diesem ungarischen Namen findest du die Veranstaltung im aktuellen Programm der Organisatoren.
Prüfe die jeweiligen Termine, bevor du buchst. Ein Festwochenende kann der Anlass für die Reise sein; ein ruhigerer Besuch passt vielleicht besser zu Spaziergängen und längeren Gesprächen.
Auch eine geführte Tour durch die Weinberge kann sich anbieten. Nutze ausgewiesene Besucherwege und frage nach, bevor du bewirtschaftete Flächen betrittst. Mit jemandem unterwegs zu sein, der den Weinberg kennt, macht aus den schönen Reihen im Landschaftsbild einen Ort, den du besser verstehst.
Plane nicht nur Sehenswürdigkeiten, sondern auch eine richtige Essenspause ein. Frage nach saisonalen Gerichten und danach, was die Küche aus der Region empfiehlt. Und lass auf der gedanklichen Bestellliste Platz für etwas Süßes.
Bobajka ist eine regionale Verwandte von mákos guba, einer ungarischen Süßspeise mit Mohn und Brot beziehungsweise Gebäck. Varianten aus gebackenem Hefeteig, der mit Milch weich wird und mit Mohn zusammenkommt, passen wunderbar zu einem herbstlichen Ausflug.
Dass Bobajka regional verwurzelt ist, bedeutet allerdings nicht, dass es auf jeder Speisekarte steht. Frage vorher nach, wenn du es gezielt probieren möchtest.
Für Weinproben gilt eine klare Trennung vom Autofahren: In Ungarn herrscht für Autofahrer Nulltoleranz bei Alkohol. Organisiere einen nicht trinkenden Fahrer oder vorab einen Transfer. Eine Übernachtung allein garantiert keine Fahrtüchtigkeit am nächsten Morgen.
Falls die Route einen Ladestopp vorsieht, suche nach einer passenden Verbindung mit deiner eigenen Pause. An einem geeigneten Standort lässt sich die benötigte Ladezeit mit einem Kaffee oder einer Mahlzeit verbinden. Für längere Standzeiten, etwa über Nacht, kann auch langsameres Wechselstromladen, kurz AC-Laden, sinnvoll sein.
Kläre Lademöglichkeiten an der Unterkunft direkt ab: Welcher Anschluss ist vorhanden, wie funktioniert der Zugang, ist eine Reservierung nötig und welche Kosten gelten? Ein Symbol auf einer Buchungsseite ersetzt diese Rückfrage nicht. Nach dem Laden gibst du den Ladeplatz wieder frei.
Am Schnelllader musst du nicht grundsätzlich bis 100 Prozent warten. Zum oberen Ladebereich hin sinkt die Ladegeschwindigkeit meist. Entscheidend ist genügend Energie für den nächsten Abschnitt und eine angemessene Reserve, nicht eine möglichst runde Zahl auf dem Display.
Prüfe, ob die elektronische Autobahnvignette die geplante Strecke abdeckt. Bei einem Mietwagen lohnt sich die Rückfrage, welche Straßennutzungsgebühren bereits enthalten sind.
Kontrolliere außerdem Buchungen, Öffnungszeiten und aktuelle Ladeinformationen. Behalte eine alternative Lademöglichkeit im Blick und plane die Rückfahrt mit dem tatsächlichen Ladestand. So wird aus der Vorbereitung eine Hilfe für unterwegs, statt einer Sammlung von Annahmen.
Auf dem Heimweg bleibt dann hoffentlich etwas anderes hängen: der Blick über Tarcal, ein Gespräch in Hercegkút oder eine neue Lieblingsnachspeise.
Die Energie hat dich dorthin gebracht. Wofür du angehalten hast, macht die Reise aus.


